Einer der Menschen, die für unseren Verband zu wichtigen Vorbildern geworden sind, ist Berkin Elvan. Seine Geschichte und seine Haltung berühren viele von uns bis heute. Hier erzählen wir, warum.

Berkin Elvan

Berkin Elvan war ein 15 jähriger Jugendlicher aus dem Istanbuler Stadtteil Okmeydanı, einer überwiegend alevitisch geprägten Nachbarschaft, in der Solidarität, soziale Gerechtigkeit und gemeinschaftliches und freundschaftliches Miteinander seit Generationen eine wichtige Rolle spielen. Während der gesellschaftlichen Unruhen im Sommer 2013 verließ er sein Zuhause, um Brot für seine Familie zu holen. In dieser Zeit reagierte der Staat mit massiver Polizeigewalt auf die Proteste rund um den Gezi Park. Dabei wurde Berkin von einem Geschoss der Sicherheitskräfte am Kopf getroffen und fiel ins Koma. Nach genau 269 Tage im Koma starb er im März 2014 und wurde zu einem Symbol, das heute noch weit über sein junges Leben hinausreicht.

Für Alevitinnen und Aleviten besitzt sein Name eine besondere Bedeutung. Als Alevitische Gemeinschaft kennen wir aus unserer Geschichte die Bedeutung Ausgrenzung, Unterdrückung und fehlende Anerkennung. Viele Alevitinnen und Aleviten sahen in Berkins Schicksal nicht nur einen tragischen Einzelfall, sondern ein Spiegelbild dieser Erfahrungen. Sein Tod wurde zu einem Ausdruck des kollektiven Gefühls, dass Minderheiten in der Türkei oft ungeschützt bleiben und Gerechtigkeit in jedem Maß erkämpft werden muss. In seinem Namen verbinden sich Schmerz und die Verpflichtung, für Menschenwürde einzustehen.

Die Gezi Proteste, in deren Umfeld Berkin verletzt wurde, begannen als Widerstand gegen die Umstrukturierung des Gezi Parks in Istanbul und entwickelten sich schnell zu einer Bewegung für Freiheit, Beteiligung und gegen staatliche Repression. Viele Alevitinnen und Aleviten fühlten sich mit diesen Forderungen verbunden, weil sie mit den Werten ihrer eigenen Tradition übereinstimmen. Dazu gehören Gleichberechtigung, Respekt voreinander, Schutz der Natur, ein freier Geist und das Recht, anders zu sein, und das ohne Angst.

Die alevitische Bewegung, wie sie sich heute zeigt, sowohl in der Türkei als auch in der europäischen Diaspora, versteht sich nicht nur als religiöse Gemeinschaft, sondern auch als Stimme für Menschenrechte, gesellschaftliche Vielfalt und ein friedliches Miteinander. Der Name Berkin Elvan ist für viele zu einem Teil dieser Identität geworden. Er erinnert daran, warum Alevitinnen und Aleviten sich organisieren, ihre Stimme erheben und Räume schaffen, in denen junge Menschen sicher, selbstbestimmt und ohne Angst aufwachsen können.

Dass unsere Landesgeschäftsstelle seinen Namen trägt, ist Ausdruck dieser Haltung. Erinnern, schützen, stärken im Sinne einer Zukunft, in der kein Kind und kein Mensch wegen Herkunft, Glauben oder Meinung zum Opfer wird.